Wie kann ein Holocaust-Überlebender einer Enkelin eines Nazi-Täters gegenübertreten? In „ZweitZeuge“ beschreiten Jean Vaislic und llka Vierkant den schmerzhaften Weg dieser Konfrontation. Beide leben im Gebot des Schweigens -aus unterschiedlichen Gründen. Die Enkelin begibt sich in den Prozess der Entdeckung der verborgenen Geschichten im Herzen der eigenen Familie. Opa Werner war Reichsbahndirektor für die Ostgebiete. Jean Vaislic der u. a. Auschwitz überlebt hat, musste als KZ-lnsasse in Auschwitz- Birkenau Gleise verlegen, die Opa geplant haben könnte.



Die Begegnung mit Jean in Toulouse wird für die Schauspielerin, die viele Jahre mit FAMILIE FLÖZ durch Europa getourt ist, zum Anstoß einen poetischen Figurentheater-Abend gegen das Vergessen zu entwickeln. Inspiriert von den Worten von Jean Vaislic: „Wenn ich einem schlechten Gedanken nachgebe, existiere ich nicht mehr. Wenn mich also ein schlechter Gedanke überkommt, denke ich an Blumen.“ Eine deutsch-französisch und auch polnische Geschichte zwischen den Generationen.


Die Theaterproduktion von Ilka Vierkant wurde 2021 erstmals in französischer Sprache an der Deutschen Schule in Toulouse uraufgeführt und anschließend an weiteren Orten in Frankreich gezeigt. Ilka Vierkant, Absolventin der Folkwang Universität der Künste in Essen verbindet in ihrer Arbeit künstlerische Mittel mit historisch-politischer Bildungsarbeit.

 

 

 

 

 

 

 

In Deutschland wurde das Stück u. a. in der Gedenkstätte Buchenwald (sechs Vorstellungen für Schulklassen in der ehemaligen Häftlingskantine), im Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ in Berlin sowie an der Waldorfschule Berlin-Mitte aufgeführt. Weitere Aufführungen, unter anderem in der Gedenkstätte Bergen-Belsen, sind geplant.