
Goethes Lustspiel DIE MITSCHULDIGEN ist ein bürgerliches Lustspiel der Aufklärung, das noch den Atem der Lustspiele der Comedia d’ell arte spüren lässt. Moliere stand spürbar als Lehrmeister Pate und es ähnelt in Sujet und Wirkung des humorvoll-intelligenten Meisterwerks von Kleist, des „Zerbrochnen Krugs“. Lustspiele haben zu der damaligen Zeit das Publikum zwar köstlich amüsiert, aber sie wurden nicht als kulturell wertvoll anerkannt, was den Mangel an Lustspielen in der deutschen Klassik erklärt. Das Stück wurde, nach längerer Entwicklungszeit, am 9. Januar 1777 mit Goethe höchstselbst in der Rolle des Alcest im Weimarer Theater uraufgeführt.
Der Schauplatz ist ein dörfliches Gasthaus vor den Toren einer Stadt.
Die Personen sind: ein Wirt, Sophie seine Tochter, Söller ihr Mann und Alcest ein Adliger.
Die Geschichte: Ein missmutiger und von Neugier zerfressener Wirt, seine Tochter, als „spätes Mädchen“ aus Verlegenheit an einen Tunichtgut verheiratet, der dem Glücksspiel verfallen ist, und schließlich der wieder zurück gekehrte adlige Galan, ein Bonvivant und gewohnheitsmäßiger Herzensbrecher.
„Allein, ihr großen Herrn, ihr habt wohl immer recht! Ihr wollt mit unserm Gut nur nach Belieben schalten, ihr haltet kein Gesetz, und andre sollens halten?“ Söller zu Alcest
Im Jahr 1824 schrieb Goethe in einem Brief an Carl Friedrich Zeller über sein erstes Theaterstück: „Die Wirkung der Mitschuldigen ist ganz die rechte. Ein so genanntes gebildetes Publicum will sich selbst auf dem Theater sehen und fordert ungefähr eben soviel vom Drama als von der Societät.“